Unser Botschafter - Götz Schubert

Götz Schubert
Foto: Roman Goebel

Wir freuen uns sehr, dass sich der beliebte Schauspieler Götz Schubert als Botschafter für die Anliegen der Deutschen Hospiz- und PalliativStiftung einsetzt.

Mit seinem Namen und seinem Engagement trägt er dazu bei, Menschen für die Bedürfnisse schwerstkranker und sterbender Menschen und ihrer Angehörigen zu sensibilisieren. "Ich habe lange nach einer Organisation gesucht, für die ich mich engagieren möchte. Durch meine persönliche Berührung mit dem Sterben, dem Abschied nehmen und der Trauer, habe ich erfahren, was hospizliche und palliative Betreuung bedeutet und zu leisten vermag. Ein Leben in Würde bis zuletzt ist möglich, jeder Mensch hat ein Recht darauf. Dafür möchte ich mich aktiv einsetzen, um ein noch größeres Bewusstsein für die Arbeit der Deutschen Hospiz- und Palliativstiftung in der Öffentlichkeit zu schaffen“ so Götz Schubert. Mehr dazu lesen sie im folgenden Interview, das Angela Hörschelmann für die DHPStiftung führte.

Sie engagieren sich für die Deutsche Hospiz- und PalliativStiftung. Warum?

Ich habe sehr intensiv erfahren müssen, was der Verlust eines nahe stehenden Menschen mit einem machen kann. Und da war neben unbeschreiblich großer Trauer vor allem sehr viel Ohnmacht und Hilflosigkeit, als wir, die Familie, mit unserem Vater (Ehemann, Schwiegervater, Großvater) in acht Wochen eine Art Crash Kurs in Sachen Umgang mit sterbenden Menschen in unserer Gesellschaft erleben mussten.

Wann sind Sie zum ersten Mal auf die Ideen der Hospizbewegung aufmerksam geworden?

Am Ende des Sterbeprozesses meines Vaters. Es gab den Wechsel zwischen zwei Krankenhäusern, den Versuch ihn zu Hause zu versorgen, Kurzzeitpflege und ganz am Ende, leider viel zu spät, eine Palliativstation.

Was sind Ihre persönlichen Erfahrungen mit Sterben und Tod? Haben Sie denn bei den Themen Sterben und Tod keine Berührungsangst?

Mein Vater lag in den verschiedenen Krankenbetten mit übereinandergeschlagenen Beinen, was er nicht sollte, weil er so die Gelenkigkeit einbüssen würde, mit Schläuchen aus der Nase und aus dem Bauch, wegen den durch zwei bösartige Tumore verursachten Magen - und Darmverschlüssen, am Tropf mit Schmerzmitteln und künstlicher Ernährung und fragte immer: "Wie lange soll denn das hier noch gehen?" Ich wusste nicht, ob ich lachen oder heulen sollte. Im ersten Moment dachte ich, er will einfach nur da weg, wo er gerade ist. Leider habe ich mich nicht getraut nachzufragen, aber heute bin ich mir ziemlich sicher, dass er das sehr wohl anders gemeint hat.

Das Beste, was uns passiert ist, war, dass wir am Ende auf einer Palliativstation innerhalb eines Krankenhauses gelandet sind, die gerade erst offiziell eröffnet wurde. Mein Vater musste sich noch einem operativen Eingriff unterziehen, der nach palliativen Gesichtspunkten erfolgte und ihm tatsächlich Erleichterung brachte. Das hätte schon viel früher gemacht werden können, aber wir wussten nichts von dieser Möglichkeit und es hatte uns bis dahin auch niemand gesagt. Außerdem gab es auf dieser Station die Schwester Conny, die sich auf palliative Pflege spezialisiert hat und wohl eine der treibenden Kräfte bei der Eröffnung der Palliativ- Station in diesem Krankenhaus gewesen war. Sie war gerade uns Angehörigen eine große Hilfe, unter anderem bei der Überwindung unserer Berührungsängste. Ich habe sie damals gefragt, ob ich etwas tun kann für diese Station. Nun ergab sich die Möglichkeit, sich als Botschafter für die DPHStiftung zu engagieren und ich tue das aus Dankbarkeit. Jeder Mensch wird irgendwann in irgendeiner Weise mit dem Sterben konfrontiert. Ich hätte mir für mich, meinen Vater und unsere Familie gewünscht, schon früher etwas von den Möglichkeiten palliativer Pflege und Medizin gewusst zu haben.

Nun ergab sich die Möglichkeit, sich als Botschafter für die DPHStiftung zu engagieren und ich tue das aus Dankbarkeit. Jeder Mensch wird irgendwann in irgendeiner Weise mit dem Sterben konfrontiert. Ich hätte mir für mich, meinen Vater und unsere Familie gewünscht, schon früher etwas von den Möglichkeiten palliativer Pflege und Medizin gewusst zu haben.

Und als Schauspieler? Haben Sie Rollen gespielt, in denen es um das eigene Sterben ging?

Ich bin als Schauspieler schon viele Tode gestorben. Unter anderem als Siegfried in Hebbels Nibelungen oder als Posa in Schillers Don Carlos, meist sehr dramatisch und noch mit viel Text. In meinen Filmen ging das Sterben eher schnell, durch einen Schuss oder ähnliches. Aber so was mal zu spielen, war durchaus mit ein Grund, diesen Beruf zu ergreifen. Sehr viel schwerer scheint mir die Darstellung Hinterbliebener, was wir zum Beispiel im Kinofilm "Tage die bleiben" versuchen zu erzählen. Was fühlt man, was tut man, wie geht es weiter, wie ist dieser Zustand. Aber in der Kunst bleibt auch der Tod immer ein Spiel, wir versuchen uns der Realität anzunähern, soweit es irgend möglich ist und manchmal erwischt man einen kleinen Zipfel von der ganzen Wahrheit, aber wenn das Licht im Zuschauerraum wieder angeht oder die Kamera ausgeschaltet wird, stehen alle Toten wieder auf und gehen nach Hause.

Wie stellen Sie sich Ihr eigenes Lebensende vor?

So wie es sich statistisch gesehen die meisten Menschen wünschen, kurz und schmerzlos. Sollte es allerdings anders kommen, so wie bei meinem Vater zum Beispiel, dann wünsche ich mir eine gute hospizliche und palliative Versorgung, die meine körperlichen, seelischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse ernst nimmt und wo ich bestimmen kann, wie meine letzten Tage auf dieser Erde aussehen.