Preisträger 2016

Das Angebot der Hospiz- und Palliativdienste gilt jedem Menschen, der diese Hilfe benötigt und sie in Anspruch nehmen möchte, unabhängig von der Herkunft oder Religion eines Menschen oder auch dem, was im bisherigen Leben war. Hospizarbeit richtet sich vorurteilsfrei an jeden Menschen und damit auch Menschen im Straf- und Maßregelvollzug.

Der DHP-Stiftungspreis 2016 geht an die Ökumenische Hospizhilfe Mannheim und die hier ehrenamtlich tätige Trauerbegleiterin Angelika Kaiser für das Projekt "Trauerbegleitung hinter Gefängnismauern“. Lesen Sie hier die Laudatio von Prof. Winfried Hardinghaus, Vorsitzender des DHPV und seiner Stiftung:

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Im Zentrum von Hospizarbeit und Palliativversorgung stehen die Würde des Menschen am Lebensende und der Erhalt seiner größtmöglichen Autonomie. Das Ziel der Hospizarbeit ist es, die Rechte schwerstkranker und sterbender Menschen und ihrer Angehörigen zu stärken und diese Menschen entsprechend ihrer je individuellen Bedürfnisse zu begleiten und zu betreuen. Dazu müssen Schmerzen und Symptome durch palliativärztliche und palliativpflegerische Betreuung weitgehend gelindert, sowie die Betroffenen und ihre Angehörigen psychosozial und spirituell begleitet werden. Dies gilt zu einem wesentlichen Teil auch für die Trauer und es sollte zum anderen, meine Damen und Herren, für alle Menschen gelten, unabhängig von ihrer Herkunft, sozialen Situation und den finanziellen Möglichkeiten. Somit sollte Trauerbegleitung als wesentlicher Teil der Hospizarbeit selbstverständlich auch für Menschen im Strafvollzug zugänglich sein.

Die Deutsche Hospiz- und PalliativStiftung hat ihren Stiftungspreis 2016 deshalb für Projekte ausgelobt, die bereits im Bereich Hospizarbeit für Menschen im Strafvollzug engagiert sind. Ich freue mich sehr, dass ich heute diesen Preis an die Ökumenische Hospizhilfe Mannheim überreichen darf. Der Verein erhält den Preis für sein Projekt "Trauerbegleitung hinter Gefängnismauern“.

Seit April 2012 begleitet Angelika Kaiser, Inhaftiere der JVA Mannheim, die einen Trauerfall in der Familie, im Freundes- oder Bekanntenkreis zu beklagen haben in ihrer Trauer und wenn gewünscht auch nach der Haftentlassung. Einmal pro Woche stellt sie ihre Erfahrung als Trauerbegleiterin in einem geschützten Raum hier in der JVA zur Verfügung, begleiten die betroffenen Männer durch ihre Trauer und unterstützen sie auch beim Besuch der Grabstätte, ob bei einem begleiteten Ausgang oder nach der Entlassung. Dabei folgt sie dem zentralen Credo der Hospiz- und Trauerarbeit: Sie bietet wertfreie Begleitung und Haltung, denn: Jeder Mensch, egal welcher soziale Stellung, Weltanschauung, Religion oder Lebenssituation, hat das Recht auf Unterstützung und tabulose Begleitung. „Es zählt der Mensch und nicht die Tat.“

Auch wenn Angelika Kaiser den Stein ins Rollen gebracht hat, gab es Unterstützer*innen, die das Anliegen gefördert haben und bis heute fördern. Als Angelika Kaiser – als Leiterin einer Gesprächsgruppe im Auftrag des Arbeitskreises Strafvollzug Mannheim e.V. – auf die Not trauernder Inhaftierender aufmerksam wurden und etwas tun wollten, ist sie auf viele offene Ohren gestoßen, sowohl auf Seiten des Ökumenischen Hospizdienstes, für den sie auch als ehrenamtliche Sterbebegleiterin arbeitet, als auch bei den damals amtierenden Gefängnisseelsorgern oder bei der JVA-Leitung selbst.

In den letzten Jahren hat es hier zwar einige personelle Veränderungen gegeben, die Unterstützung aber ist geblieben. Deshalb gilt mein Dank an dieser Stelle auch dem Leiter der JVA Regierungsdirektor Holger Schmitt. Als er die Leitung der JVA Mannheim vor einem Jahr übernommen habt, zeigte er sich begeistert von der Arbeit Frau Kaisers und unterstützte diese so, wie schon sein Vorgänger im Amt es getan hat. Dass wir diese Preisverleihung heute in den Räumen der JVA Mannheim machen dürfen, zeigt deutlich, wie sehr er sich dem Projekt verbunden fühlt.

Auch Pfarrer Matthias Weber leitet erst seit Anfang des Jahres das Diakonischen Werk Mannheim und somit das größte Diakonische Werk Badens. Obwohl er hier sicher mit sehr vielen neuen Aufgaben betraut ist und die Anfänge des Projektes weit vor seiner Zeit liegen, hat er sich begeistern lassen und – was mich sehr freut – heute die Zeit genommen, um an dieser kleinen Feierstunde dabei zu sein.

Auch Josefine Lammer hat die Leitung der Ökumenischen Hospizhilfe erst nach Projektbeginn übernommen. Dass ihr das Thema Trauer wichtig ist, zeigt sich aber beispielhaft daran, dass sie die ehrenamtlichen Hospizbegleiter*innen unermüdlich motiviert, auch die Zusatzausbildung zur Trauerbegleiterin zu machen – und dass ihr Träger die Kosten für diese Zusatzausbildung übernimmt.

Neben Angelika Kaiser gibt es mit Pfarrer Gerhard Ding, der hier in der JVA als Gefängnissseelsorger für die Inhaftierten da ist, aber dann doch noch einen Pionier der ersten Stunde. Er ist seit Projektbeginn dabei, im Austausch mit ihm hat Angelika Kaiser das Projekt auf den Weg gebracht. Ihm als Gefängnisseelsorger vertrauen die inhaftierten Menschen ganz grundsätzlich ihre Nöte und Sorgen an, ihre Probleme mit dem Vollzugsalltag, mit der persönlichen Lebenssituation, aber auch mit der Partnerin oder der Familie. Und so, wie das Sterben zum Leben gehört, gehört die Trauer um einen geliebten Menschen zu diesen Gesprächen.

Dass diese trauernden Menschen mit Angelika Kaiser jemanden haben, der sich für sie und ihre Situation interessiert und ihnen menschlich und fachlich zur Seite steht, ist mit großer Gewissheit eine Erleichterung in der Haft und ein wichtiger Schritt hin zur Wahrung ihrer Würde.

Dafür gilt Ihnen allen unser herzlicher Dank und unsere Anerkennung.

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Preisträger 2015

Schwerstkranke und sterbende Menschen auf ihrem letzten Lebensweg zu begleiten, vorzugsweise zuhause, ist Aufgabe der Hospiz- und Palliativdienste. Dieses Angebot muss auch für Menschen mit Behinderung zugänglich sein, zumal vor dem Hintergrund der Inklusionsdebatte. Die Behindertenrechtskonvention, die 2009 in Deutschland in Kraft getreten ist, soll allen Menschen die uneingeschränkte Teilnahme und Inanspruchnahme gesellschaftlicher Angebote und Aktivitäten möglich machen. Das heißt, auch am Lebensende sollen Menschen mit Behinderungen ihren Wünschen und Bedürfnissen entsprechend begleitet und unterstützt werden. Die Deutsche Hospiz- und PalliativStiftung hat ihren Stiftungspreis 2015 deshalb für Projekte ausgelobt, die bereits im Bereich Hospizarbeit für Menschen mit Behinderung engagiert sind.

Der 1. Preis geht an den Christophorus Hospiz Verein München für seinen Hospiz- und Palliativberatungsdienst für Menschen mit Behinderung. Mit dem 2013 eingerichteten Dienst möchte der Christophorus Hospiz Verein insbesondere Menschen mit einer geistigen Behinderung Unterstützung und Hilfe anbieten, damit sie bis zuletzt in ihrer vertrauten Umgebung selbstbestimmt leben können. Für Menschen, die in Einrichtungen und Organisationen Menschen mit Behinderungen betreuen, bietet der Christophorus Hospiz Verein Fortbildungen zu medizinisch-pflegerischen, psychosozialen und ethischen Themen der palliativen Begleitung an. (Link)

Der 2. Preis geht an Bonn Lighthouse Verein für Hospizarbeit für das Projekt "Zukunftsplanung am Lebensende - Patientenverfügung in einfacher Sprache". Die Broschüre entstand unter aktiver Mithilfe von betroffenen Menschen im Rahmen zweier Workshops zum Thema „Wünsche und Vorstellungen für die letzte Phase in meinem Leben“. Zuvor gab es im deutschsprachigen Raum kaum Möglichkeiten für Menschen mit geistigen Behinderungen, ihre Gedanken und Wünsche im Hinblick auf Sterben und Tod in schriftlicher Form auszudrücken. Durch die Nutzung der Broschüren erhalten begleitende Personen wie Angehörige, gesetzliche Betreuer, Fachkräfte in Einrichtungen, Hospizmitarbeitende und medizinisch-pflegerisches Personal  wichtige Informationen, um im Sinne eines Selbstbestimmten Sterbens der Betroffenen zu handeln.  (Link)

Der 3. Preis geht an die Akademie für Hosizarbeit und Palliativmedizin Nürnberg für die Entwicklung eines Aufbaukurses und Curriculums für ehrenamtliche Hospizbegleiter in der Behindertenhilfe. Ehrenamtliche Hospizbegleiter sind in aller Regel nicht auf die speziellen Anforderungen von Menschen mit Behinderung am Lebensende vorbereitet. Mit dem Aufbaukurs der Akademie für Hospizarbeit und Palliativmedizin Nürnberg werden sie auf die spezifische Lebenswelt und die Bedürfnisse der Betroffenen vorbereitet. Durch die Erstellung eines Curriculums soll die Umsetzung des Kurses auch in anderen Hospizvereinen oder Einrichtungen gesichert werden.  (Link)

Preisträger 2014

Hospiz- und Palliativversorgung soll alle Menschen erreichen, auch die in der Wohnungslosigkeit. Was aber sind die Möglichkeiten und Grenzen einer hospizlichen und palliativen Begleitung und Versorgung in der Wohnungslosigkeit? Welche Konzepte zur Verbesserung der Situation sterbender Menschen in der Wohnungslosigkeit gibt es bereits? Die Deutsche Hospiz- und PalliativStiftung möchte mit dem „DHPStiftungspreis 2014“ Projekte auszeichnen, die zu einer Verbesserung der  hospizlich-palliativen Versorgung von Menschen in der Wohnungslosigkeit beitragen.

Der 1. Preis geht für das Projekt „Sterbende Menschen begleiten. Krankheit, Tod und Trauer in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe“ an den Arbeitskreis „Wohnungslosigkeit und Gesundheit in der HAG-Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit (KGC). Der Arbeitskreis ist ein Zusammenschluss von Akteuren des Gesundheits- und Wohnungslosenhilfebereiches. Ziel ist es, die sektorenübergreifende Zusammenarbeit der Wohnungslosenhilfe, der medizinisch-pflegerischen Versorgung und – seit 2011 – der Hospiz- und Palliativarbeit zu fördern und die Situation kranker und sterbender Menschen in der Wohnungslosigkeit zu verbessern. (Link)

Der 2. Preis geht an das Projekt Streetmed – Aufsuchende Gesundheitsfürsorge – Sozialdienst Bethel das seit 1996 wohnungslose Menschen medizinisch betreut, seit 2007 auch durch eine palliativmedizinisch qualifizierte Ärztin. Wo die medizinische Versorgung wohnungsloser Menschen häufig nur auf Akutversorgung orientiert ist, findet beim Projekt Streetmed durch die qualifizierte Betreuung einer Palliativärztin, die Zugriff auf das interdisziplinäre örtliche Palliativnetz hat, eine umfassende Betreuung im Sinne der Hospizbewegung statt. Das schließt auch die Organisation von Beerdigungen – in Kooperation mit dem Projekt „Unbedacht Verstorbene“ in Bielefeld – ein. (Link)

Der 3. Preis geht an das Projekt „Leben bis zuletzt – auch für wohnungslose Menschen in Hamburg“ von Omega – Mit dem Sterben leben e.V. Omega begleitet seit 2006 schwerstkranke und sterbende Menschen in den Einrichtungen der Hamburger Wohnungslosenhilfe. Omega sensibilisiert die Mitarbeiter/innen in den Einrichtungen für Wohnungslose für die Bedürfnisse Sterbender, entwickelt für ehrenamtliche Hospizbegleiter/innen ein spezielles Schulungsprogramm, um Barrieren und Ängste im Umgang mit schwerstkranken Wohnungslosen abzubauen. (Link)

Hier finden Sie die Laudatio auf die Preisträger.

Preisträger 2013

Die Deutsche Hospiz- und PalliativStiftung prämierte mit dem „DHPStiftungspreis 2013“ Projekte, die zur nachhaltigen Entwicklung kultursensibler Hospiz- und Palliativarbeit in den Kommunen erfolgreich beigetragen haben und bei denen die Mitwirkung von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von zentraler Bedeutung ist.

Die Preisträger 2013 sind:

1. Preis: Hospizdienst DaSein e.V. in München für das Projekt "Sterbebegleitung für Menschen mit Migrationshintergrund"
Der Hospizdienst DaSein e.V. in München hat ein individuelles Betreuungskonzept für Menschen mit Migrationshintergrund entwickelt sowie die Vernetzung mit kulturellen und religiösen Migrantenorganisationen, mit Übersetzern und spezifisch erfahrenen Ärzten vorangetrieben. Außerdem erhalten die ehrenamtlichen Hospizbegleiter und -begleiterinnen in speziellen Schulungen Einblick in verschiedene Kulturen und Religionen, in Migrationsprozesse und die Traumata, die mit einer solchen Entwurzlung einhergehen können. Zudem lernen sie, ihre eigene kulturelle Prägung zu hinterfragen und neugierig und offen auf das Fremde zuzugehen. (Link)

2. Preis: Malteser Hilfsdienst Berlin für das Projekt "Wenn die russische Seele trauert"
Bereits seit 2004 bildet der Malteser Hospiz- und Palliativberatungsdienst russisch sprechende Hospizbegleiter für die Sterbebegleitung aus und begleitet russischsprachige schwerstkranke und sterbende Menschen und ihre Angehörigen in der Heimatsprache.

3. Preis: Ambulanter Lazarus Hospizdienst Berlin für das Angebot "Am Lebensende fern der Heimat - Transkulturelle Sterbebegleitung"
Im Berliner Bezirk Mitte, wo fast jeder zweite Mensch einen Migrationshintergrund hat, möchten Lydia Röder und Elizabeth Schmidt-Pabst Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen die Angebote des Hospizes zugänglich machen, zunächste in polnischer, arabischer und türkischer Sprache.

Ausführliche Informationen entnehmen Sie bitte der Pressemitteilung vom 16. Dezember.

Preisträger 2012

Im Jahr 2012 wurden Projekte ausgezeichnet, die zur nachhaltigen Entwicklung von Hospiz- und Palliativarbeit in kommunalen Strukturen beigetragen haben, innovativ sind und Modellcharakter haben.

Die Preisträger sind:

1. Preis: Hospizlich-Palliatives Versogungsnetz Isar-Inn
Kooperationsprojekt der Landkreise Altötting, Dingolfing-Landau, Landshut, Rottal-Inn mit dem Hospizverein Altötting, der Hospizgruppe Dingolfing-Landau, dem Hospizverein Rottal-Inn und dem Hospizverein Landshut

2. Preis: "Kleinod" Ambulanter Hospizdienst für Menschen mit Demenz
St. Vinzenzhaus, Köln-Brück
Ziel des ambulanten Hospizdienstes Kleinod ist die palliative Begleitung eines sterbenden Demenzkranken zu Hause in seiner gewohnten Umgebung, sowie auch in einer Pflegeeinrichtung oder im Krankenhaus, um die Lebensqualität in der letzten Lebensphase zu erhalten. Mehr unter www.kleinod-koeln.de

3. Preis: Begleitung Verstorbener ohne bestattungspflichtige Angehörige
Hospizverein "Geborgen bis zuletzt" im Evangelisch-lutherischen Kirchenkreisverband Hildesheim e.V.
Verstorbene ohne bestattungspflichtige Angehörige werden von Ehrenamtlichen mit einer würdevollen Bestattung in Begleitung eines Geistlichen veraschiedet. Die Veröffentlichung des Beisetzungstermins in einer regionalen Zeitung, die das kostenlos anbietet, führt häufig dazu, dass ehemalige Freunde oder entfernte Verwandte an der Beisetzung teilnehmen. Mehr unter www.geborgen-bis-zuletzt.de

Die Begründungen entnehmen Sie bitte der Pressemitteilung vom 4. Dezember.