Preisträger 2017

Netzwerk Hospiz e.V. und gGmbH in Traunstein

Der 1. Platz geht an das Netzwerk Hospiz e.V. und gGmbH in Traunstein für das Projekt „Ambulante Palliativversorgung aus einer Hand – die Dienste des Netzwerk Hospiz Südostbayern“. Anliegen des Netzwerkes ist es, für alle Menschen in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land eine flächendeckende und alle Dienste umfassende ambulante Hospiz- und Palliativversorgung sicher zu stellen. Dabei soll für die Patienten und Angehörigen durch eine entsprechende interne Koordination und die Vernetzung mit allen Akteuren in der Krankenversorgung einen Dienst „aus einer Hand“ gewährleistet werden.

Bereits 2006 wurden mit der Gründung des Netzwerkes Hospiz die organisatorischen und fachlichen Voraussetzungen für den Einsatz von Pflegekräften mit Palliative-Care-Ausbildung geschaffen. Diese Pflegekräfte wurden durch einen qualitativen Behandlungsplan legitimiert und waren rund um die Uhr erreichbar und einsatzfähig. In den folgenden Jahren wurde das Angebot auf den Landkreis Berchtesgadener Land ausgedehnt und ab 2012 die außerklinische Ethikberatung aufgebaut. Im Jahr 2015 gründete der Verein Netzwerk für die Trägerschaft der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) eine gGmbH.

Alle drei Dienste arbeiten Hand in Hand unter einem Dach. Hierfür sind die gemeinsamen Dienstbesprechungen (mit Sozialarbeiterinnen vom Hospizverein) sowie eine Tag und Nacht besetzte zentrale Telefonnummer entscheidend. Damit ist sichergestellt, dass jeder Anrufer entsprechend seines Unterstützungsbedarfes jederzeit den richtigen Dienst erreicht. Der koordinierte Einsatz von ambulanten Fachpflegekräften in der allgemeinen ambulanten Palliativversorgung (AAPV) (über Spenden finanziert) und der SAPV ist hierbei eine Besonderheit.

Durch die enge Vernetzung mit allen anderen Akteuren der Palliativ- und Hospizversorgung in der Region (Palliativstationen, Haus- und Fachärzte, Pflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste) können die Patienten umfassend und ganzheitlich betreut werden. Diese interne Koordination und Zusammenarbeit wird sowohl von den Patienten wie auch ihren Angehörigen und Betreuern besonders geschätzt.

Der innovative Charakter des Netzwerkes ist vor allem die koordinierte Zusammenarbeit und eine Verzahnung von AAPV, SAPV, außerklinischer Ethikberatung und Hospizbegleitung. Damit ist sichergestellt, dass Palliativpatienten, egal welchen Bedarf an Unterstützung sie haben, immer den richtigen Dienst erreichen und entsprechend ihrer Bedürfnisse versorgt werden. Der Einsatz von Fachpflegekräften in AAPV und die Zusammenarbeit AAPV / SAPV hat Modellcharakter. Für die Patienten und die Angehörigen/Betreuer bedeutet diese interne Koordination und die zentrale Rufnummer Sicherheit, Kontinuität und jederzeit erreichbare fachliche Kompetenz.

Diese Entwicklung wäre ohne die Unterstützung durch die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land, die bis 2015 den Aufbau und die Entwicklung mit freiwilligen Zuschüssen gefördert haben, nicht möglich gewesen. Auch die Unterstützung durch das Klinikum Traunstein beim Aufbau für den Personaleinsatz und Verwaltung ist modellhaft und wahrscheinlich einmalig.

Ansprechpartner*innen:
Alois Glück, Vorsitzender Netzwerk Hospiz
Uta Sommer-Lihotzky, Leitung Pflege SAPV
Dr. Robert Kühnbach, Ärztlicher Leiter Netzwerk Hospiz

Kontakt:
Netzwerk Hospiz e.V. und gGmbH
Mail: info@netzwerk-hospiz.de
Internet: www.netzwerk-hospiz.de

Hospiz- und Palliativzentrum Heinrich Pera in Halle

Der 2. Platz geht an das Hospiz- und Palliativzentrum Heinrich Pera in Halle als regionales Netzwerk ambulanter und stationärer Angebote für schwerkranke und sterbende Menschen und deren Angehörige. Ziel der Zusammenarbeit im Hospiz- und Palliativzentrum Heinrich Pera ist die sektorenübergreifende Vernetzung der Hospiz- und Palliativversorgung von Menschen und ihren Angehörigen. Durch Austausch, regelhafte Abstimmungsprozesse, ein gemeinsames Auftreten der Partner sowie Multiplikation und Vernetzung wird die regionale Hospiz- und Palliativversorgung gestärkt.

Das Hospiz- und Palliativzentrum Heinrich Pera bietet gebündelt Hilfe und Unterstützung am Lebensende an. Gut abgestimmte Beratungsleistungen, Begleitung, Pflege und Medizin ergänzen einander ganzheitlich und umfassend. So wird „Palliation“ – verstanden als die medizinische oder pflegerische Maßnahme, deren primäres Ziel nicht der Erhalt, die Heilung oder die Wiederherstellung, sondern die Verbesserung der Lebensqualität des Erkrankten sind – zur Chance für ein würdiges Leben bis zuletzt. In einer zu erwartenden oder aktuellen Trauer- oder Abschiedssituation bietet das Hospiz- und Palliativzentrum stützende Begleitung und Lebenshilfe. Das Zentrum kombiniert dabei die Angebote der drei Bereiche stationäres/ambulantes Hospiz für Erwachsende und Kinder, spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV), sowie die stationäre Palliativversorgung auf einer Station des Krankenhauses. Reichweite, sektorenübergreifende Sichtweise und der niederschwellige Zugang kommen dabei allen Betroffenen und ihren Angehörigen zugute.

Die Partner gestalten eine jährliche Preisverleihung in Form des Heinrich-Pera-Preis. Dieser geht auf den Namensgeber und Protagonisten für die Hospiz- und Palliativbewegung in den neuen Bundesländern zurück. Damit werden Personen oder Projekte ausgezeichnet, die den Hospiz- und Palliativgedanken im besonderen Maße in der Umsetzung gefördert haben und Mitstreiter für dieses Anliegen gewürdigt.

Hier finden Sie die ausführliche Laudatio.

www.hospiz-palliativ-zentrum-halle.de

Trägerorganisationen/Ansprechpartner*innen:
Karin Dietl, Geschäftsführerin
Hospiz am St. Elisabeth-Krankenhaus Halle gGmbH
Mail: info@hospiz-halle.de
Internet: www.hospiz-halle.de

Birgit Jahnel und Thomas Kolodziej, Geschäftsführer*in
Elisabeth Vinzenz Verbund GmbH – Elisabeth Mobil
Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV)
Mail: elisabeth.mobil@krankenhaus-halle-saale.de
Internet: www.krankenhaus-halle-saale.de

Thomas Wüstner, Geschäftsführer
Palliativstation des Krankenhauses St. Elisabeth und St. Barbara Halle (Saale) GmbH
Mail: palliativstation@krankenhaus-halle-saale.de
Internet: www.krankenhaus-halle-saale.de

Netzwerk für die Versorgung schwerkranker Kinder und Jugendlicher e.V. in Hannover

Der 3. Preis geht an das Netzwerk für die Versorgung schwerkranker Kinder und Jugendlicher e.V. in Hannover und die dort gebündelten Projekte spezialisierte ambulante pädiatrische Palliativversorgung (SAPV-KJ), sozialmedizinische Nachsorge (SN), Netzwerk für onkologische Fachberatung (NOF) sowie das Projekt Geschwisterkindernetzwerk (GN)

Das Netzwerk hat zum Ziel, die ärztliche, pflegerische und psychosoziale Versorgung von schwerkranken Kinder und Jugendlichen im Flächenland Niedersachen dauerhaft zu optimieren. Um flexibel auf aktuelle Bedürfnisse reagieren zu können, ist die Arbeit des Netzwerks in Form unterschiedlicher Projekte strukturiert.

Die SAPV-KJ dient der häuslichen Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit einer lebenslimitierenden Erkrankung. Ein zentrales Koordinierungsbüro, angegliedert am Netzwerk, übernimmt die Organisation und Administration der SAPV-KJ für ganz Niedersachsen. Multiprofessionelle regionale Teams leisten die spezialisierte pflegerische, medizinische und psychosoziale Betreuung der Kinder und Jugendlichen vor Ort.

Die SN dient der Verkürzung stationärer Aufenthalte von schwer-/ chronisch kranken Kindern und Jugendlichen sowie der Sicherstellung der ambulanten Behandlung. Zur Etablierung der SN an der MHH Kinderklinik wurde 2012-2014 ein interdisziplinäres familien- und ressourcenorientiertes Nachsorgekonzept in Kooperation mit dem Netzwerk entwickelt und aufgebaut. Nach Projektende wird die SN weiterhin durchgeführt.

Das NOF recherchiert und vernetzt für an Krebs erkrankte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bereits vorhandene Angebote, Einrichtungen und Projekte von lokalen, regionalen, landes- und bundesweiten Partnern, um diese bei Bedarf weitervermitteln zu können. Die ganzheitliche Koordinierung der individuellen Problematiken umfasst dabei Fragestellungen von medizinischen, psychosozialen, sozialrechtlichen und alltäglichen Problematiken.

Das GN vermittelt spezielle Angebote für Geschwisterkinder von schwerkranken Kindern und Jugendlichen, dabei werden Akteure und Anbieter vernetzt sowie Arbeitsinhalte bspw. durch Erstellung von pädagogischem Material zur Gruppenarbeit weiterentwickelt.

Das „Netzwerk für die Versorgung schwerkranker Kinder und Jugendlicher e.V.“ fokussiert somit parallel verschiedene Aspekte zur Verbesserung der flächendeckenden Versorgung für schwerkranke pädiatrische Patienten und ihrer Familien. Die einzelnen Projekte richten sich hierbei an unterschiedliche Adressaten (Betroffene, Geschwisterkinder, usw.) und sind Sektor übergreifend ausgerichtet. Der Modellcharakter aller Maßnahmen zeigt sich dabei auch in der Erarbeitung übertragbarer Methoden und Erkenntnisse. Dazu werden alle Teilprojekte wissenschaftlich begleitet und evaluiert. So erarbeitet das Netzwerk Möglichkeiten der Implementierung von Leistungen, für die ein gesetzlicher Anspruch besteht wie z.B. die Sozialmedizinische Nachsorge und unterstützt besondere Zielgruppen ohne gesetzlich explizit festgeschriebenen Versorgungsanspruch wie z.B. Langzeitüberlebende nach bösartigen Erkrankungen.

Ansprechpartnerinnen:
Stefanie Beil, Rebecca Toenne
Netzwerk für die Versorgung schwerkranker Kinder und Jugendlicher e.V.
Mail: info@betreuungsnetz.org
Internetseite: www.betreuungsnetz.org

Preisträger 2016

"Trauerbegleitung hinter Gefängnismauern" der ÖkumenischenHospizhilfe Mannheim

Hospiz hinter Gefängnismauern
links: JVA-Leiter Schmitt, mittig Josefine Lammer, Prof. Hardinghaus, Angelika Kaiser, 2.v.r. Seelsorger Gernhard Ding

Das Angebot der Hospiz- und Palliativdienste gilt jedem Menschen, der diese Hilfe benötigt und sie in Anspruch nehmen möchte, unabhängig von der Herkunft oder Religion eines Menschen oder auch dem, was im bisherigen Leben war. Hospizarbeit richtet sich vorurteilsfrei an jeden Menschen und damit auch Menschen im Straf- und Maßregelvollzug.

Der DHP-Stiftungspreis 2016 geht an die Ökumenische Hospizhilfe Mannheim und die hier ehrenamtlich tätige Trauerbegleiterin Angelika Kaiser für das Projekt "Trauerbegleitung hinter Gefängnismauern“.

Seit April 2012 begleitet Angelika Kaiser Inhaftiere der JVA Mannheim, die einen Trauerfall in der Familie, im Freundes- oder Bekanntenkreis zu beklagen haben in ihrer Trauer und wenn gewünscht auch nach der Haftentlassung. Einmal pro Woche stellt sie ihre Erfahrung als Trauerbegleiterin in einem geschützten Raum in der JVA zur Verfügung, begleiten die betroffenen Männer durch ihre Trauer und unterstützen sie auch beim Besuch der Grabstätte, ob bei einem begleiteten Ausgang oder nach der Entlassung. Dabei folgt sie dem zentralen Credo der Hospiz- und Trauerarbeit: Sie bietet wertfreie Begleitung und Haltung, denn: Jeder Mensch, egal welcher soziale Stellung, Weltanschauung, Religion oder Lebenssituation, hat das Recht auf Unterstützung und tabulose Begleitung. „Es zählt der Mensch und nicht die Tat.“

Auch wenn Angelika Kaiser den Stein ins Rollen gebracht hat, gab es Unterstützer*innen, die das Anliegen gefördert haben und bis heute fördern. Als Angelika Kaiser – als Leiterin einer Gesprächsgruppe im Auftrag des Arbeitskreises Strafvollzug Mannheim e.V. – auf die Not trauernder Inhaftierender aufmerksam wurden und etwas tun wollten, ist sie auf viele offene Ohren gestoßen, sowohl auf Seiten des Ökumenischen Hospizdienstes, für den sie auch als ehrenamtliche Sterbebegleiterin arbeitet, als auch bei den damals amtierenden Gefängnisseelsorgern oder bei der JVA-Leitung selbst.

In den letzten Jahren hat es hier zwar einige personelle Veränderungen gegeben, die Unterstützung aber ist geblieben. Deshalb gilt mein Dank an dieser Stelle auch dem Leiter der JVA Regierungsdirektor Holger Schmitt. Als er die Leitung der JVA Mannheim vor einem Jahr übernommen habt, zeigte er sich begeistert von der Arbeit Frau Kaisers und unterstützte diese so, wie schon sein Vorgänger im Amt es getan hat. Dass wir diese Preisverleihung heute in den Räumen der JVA Mannheim machen dürfen, zeigt deutlich, wie sehr er sich dem Projekt verbunden fühlt.

Auch Pfarrer Matthias Weber leitet erst seit Anfang des Jahres das Diakonischen Werk Mannheim und somit das größte Diakonische Werk Badens. Obwohl er hier sicher mit sehr vielen neuen Aufgaben betraut ist und die Anfänge des Projektes weit vor seiner Zeit liegen, hat er sich begeistern lassen und – was mich sehr freut – heute die Zeit genommen, um an dieser kleinen Feierstunde dabei zu sein.

Auch Josefine Lammer hat die Leitung der Ökumenischen Hospizhilfe erst nach Projektbeginn übernommen. Dass ihr das Thema Trauer wichtig ist, zeigt sich aber beispielhaft daran, dass sie die ehrenamtlichen Hospizbegleiter*innen unermüdlich motiviert, auch die Zusatzausbildung zur Trauerbegleiterin zu machen – und dass ihr Träger die Kosten für diese Zusatzausbildung übernimmt.

Neben Angelika Kaiser gibt es mit Pfarrer Gerhard Ding, der hier in der JVA als Gefängnissseelsorger für die Inhaftierten da ist, aber dann doch noch einen Pionier der ersten Stunde. Er ist seit Projektbeginn dabei, im Austausch mit ihm hat Angelika Kaiser das Projekt auf den Weg gebracht. Ihm als Gefängnisseelsorger vertrauen die inhaftierten Menschen ganz grundsätzlich ihre Nöte und Sorgen an, ihre Probleme mit dem Vollzugsalltag, mit der persönlichen Lebenssituation, aber auch mit der Partnerin oder der Familie. Und so, wie das Sterben zum Leben gehört, gehört die Trauer um einen geliebten Menschen zu diesen Gesprächen.

Dass diese trauernden Menschen mit Angelika Kaiser jemanden haben, der sich für sie und ihre Situation interessiert und ihnen menschlich und fachlich zur Seite steht, ist mit großer Gewissheit eine Erleichterung in der Haft und ein wichtiger Schritt hin zur Wahrung ihrer Würde.

Weiterlesen.

Preisträger 2015

Hospiz- und Palliativberatungsdienst für Menschen mit Behinderung

v.l.n.r. Erich Lange (DHPV), Cornelia Rommé, Renate Salzmann-Zöbeley, Leonhard Wagner, Gregor Sattelberger (CHV)

Als einer der ältesten Hospizvereine Deutschlands begleitet und unterstützt der in München ansässige Christophorus Hospiz Verein (CHV) seit 30 Jahren Menschen in ihrer letzten Lebensphase und ermöglichst mit seiner Arbeit ein würdevolles Leben bis zuletzt. Von Anfang an wurden dabei auch immer wieder Menschen mit einer Behinderung begleitet, meist zu Hause bei ihrer Familie, später zunehmend in Einrichtungen der Behindertenhilfe. Seit 2013 hat der CHV die Aufgaben in diesem Arbeitsgebiet in einem spezialisierten Team gebündelt und den Hospiz- und Palliativberatungsdienst für Menschen mit Behinderung eingerichtet.

Beratung und Begleitung
Der Dienst bietet Menschen insbesondere mit einer geistigen Behinderung Unterstützung und Hilfe an, damit sie bis zuletzt in ihrer vertrauten Umgebung selbstbestimmt leben können. Die Unterstützung richtet sich auch an die Einrichtungen und Organisationen, die Menschen mit Behinderungen betreuen. Hier bietet der Christophorus Hospiz Verein Fortbildungen zu medizinisch-pflegerischen, psychosozialen und ethischen Themen der Sterbebegleitung an. Wie lässt sich beispielsweise der Wille des Patienten bei einem Menschen mit geistiger Behinderung feststellen und wie kann er in Entscheidungen mit eingebunden werden? Ebenso gehört die Beratung und Anleitung von Angehörigen in der palliativen Pflege  zum Angebot des CHV. Zusätzlich ergänzen und unterstützen ehrenamtliche Hospizhelfer/innen die Begleitung schwerkranker Menschen mit Behinderung.

Besondere Herausforderungen
Dabei stellt das Sterben von Menschen mit Behinderung nicht nur eine fachliche, sondern speziell in Deutschland auch eine große ethische Herausforderung dar. Nach der systematischen Tötung von Menschen mit Behinderung in Nazi-Deutschland kommen zum ersten Mal seit langem viele Menschen mit Behinderung in ein höheres Alter und in die Situation schwerer Erkrankung. Vor dem geschichtlichen Hintergrund stellt das Zulassen des Sterbens eine ganz besondere Herausforderung dar. Professionelle Hilfe kann den Angehörigen und dem Pflegepersonal helfen, mit dieser Belastung umzugehen.

Auch Fachkräfte und Betreuer in Einrichtungen und Organisationen stellt die Begleitung von Menschen mit Behinderungen in ihrer letzten Lebensphase vor besondere Herausforderungen. So können Menschen mit einer geistigen Behinderung ihre Wünsche und Bedürfnisse oft nicht sprachlich ausdrücken, was einen besonders einfühlsamen Umgang erfordert. Außerdem haben die Mitarbeiter der Einrichtungen häufig einen sehr engen Kontakt zu den Betroffenen, die sie zum Teil jahrelang betreuen und deren Sterben für sie eine sehr große emotionale Belastung bedeutet. Der Umgang mit der eigenen Trauer ist deshalb für Betreuer ein wichtiges Thema. Auch hier helfen die Schulungen und die fachliche Begleitung des CHV.

Auszeichnung mit 1. Preis der Deutschen Hospiz- und PalliativStiftung
Jetzt wurde das innovative Projekt, das von der Landeshauptstadt München gefördert wird, mit dem 1. Platz des DHPStiftungspreises 2015 ausgezeichnet. Damit honoriert  die Deutsche Hospiz- und PalliativStiftung das Projekt als besonders wegweisend. Das Preisgeld von 1.500 Euro soll für die weitere Finanzierung des Dienstes verwendet werden.

„Wir freuen uns sehr, dass unsere Angebote für Menschen mit Behinderung mit diesem 1. Preis anerkannt werden“ so der Geschäftsführer des CHV Leonhard Wagner. „Die große Nachfrage zeigt uns, wie wichtig dieses Projekt ist. Wir werden unsere Arbeit auf diesem Gebiet auf jeden Fall weiterführen.“

(Link)

Kontakt:
Christophorus Hospiz Verein München e.V.
Leonhard Wagner
089 130 787 0
leonhard.wagner@chv.org
www.chv.org


Zukunftsplanung zum Lebensende: Mein Wille! – Patientenverfügung in einfacher Sprache

Menschen mit Behinderung arbeiten an Patientenverfügung in einfacher Sprache
Experten in eigener Sache - Die Arbeitsgruppe 2

Selbstbestimmtes Sterben in Würde, unabhängig von Krankheitsbild und sozialem Status! Dies ist eine Begleitungsmaxime der Hospizbewegung. Und diese sei, nach Aussage des mittlerweile verstorbenen Regionalleiters des LVR- HPH-Netz Mittelrhein Ost, Peter Vogel, für Menschen mit geistigen Behinderungen nur selten umsetzbar. Es fehle ein Instrument, das Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen ermöglicht, ihren Willen und ihre Wünsche zum Thema eigenes Sterben und Tod, auszudrücken. Viel zu häufig machen Betreuer aus Einrichtungen der Behindertenhilfe die Erfahrung, dass Ärzte oder gesetzliche Betreuer gar nicht erst nach den Vorstellungen der betroffenen Menschen fragen. Oft, weil man es ihnen einfach nicht zutraut.

Mit dem Anliegen, eine Patientenverfügung in einfacher Sprache zu entwickeln, trat Peter Vogel an den Hospizverein Bonn Lighthouse heran und es entstand eine multi-institutionelle (Bonn Lighthouse, Heilpädagogisches Heim des LVR in Bonn-Vilich, Lebenshilfe Bonn, Therapiezentrum Bonn) sowie -professionelle Projektgruppe (Sozialarbeiter, Heilerziehungspfleger, Pflegekräfte etc.) aus Fachkräften der Behindertenhilfe und haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern von Bonn Lighthouse. Die wahren Experten sind jedoch die Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen selbst. Und so wurden die Entwürfe der Projektgruppe eben von diesen Experten auf ihre Praxis-Tauglichkeit geprüft. In sehr arbeitsintensiven und berührenden Workshops wurden Formulierungen kritisch hinterfragt und Kapitel ergänzt, bis nach einem kreativen Prozess die erste Auflage der Broschüre „Zukunftsplanung zum Lebensende: Mein Wille!“ in Druck ging und 2009 veröffentlicht wurde.

Es stellte sich heraus, das ein großer Bedarf für eine solche Patientenverfügung in einfacher Sprache besteht. Denn seit der Erstauflage wurden ca. 27.000 Exemplare ins gesamte Bundesgebiet sowie in der Schweiz und Österreich bestellt. 2015 wurde eine zweite Version aufgelegt, die mehr einfache Sprache und Piktogramme beinhaltet, die Menschen mit  komplexer Form von geistiger Beeinträchtigung erreichen soll.

Aber beide Broschüren sollen nicht nur betroffenen Patienten die Möglichkeit geben, ihre Vorstellungen von Lebensqualität am Lebensende zu artikulieren, sondern sie sollen auch Mitarbeitern von Einrichtungen der Behindertenhilfe, Angehörigen, gesetzlichen Betreuern, behandelnden Ärzten, Pflegepersonal, sprich dem gesamten jeweiligen Helfer-System genau über diese Wünsche Informationen und Handlungsanweisungen für die Begleitung sterbender Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen geben. Nach dem bislang vorliegenden Feedback trägt die Broschüre in vielen Fällen dazu bei und dies wird die Motivation der Projektgruppe auch in der Zukunft hoch halten.

Als nächste Schritte sind die Erstellung eines Beiheftes für Betreuer (Methoden zur Vermittlung der Broschüren-Inhalte, Glossar, Hinweise zur Trauerbegleitung etc.) geplant.

Text: Jürgen Goldmann

(Link)

Kontakt:
Bonn Lighthouse Verein für Hospizarbeit e.V.
Dr. Christiane Ohl
0228 63 13 04
ohl@bonn-lighthouse.de
www.bonn-lighthouse.de

Ausbildung ehrenamtlicher Hospizbegleiter in der Behindertenhilfe

Stefan Meyer und Erich Lange

„Die Unterstützung sterbender Menschen in den letzten Tagen und Stunden, die Palliativmedizin und Hospizarbeit, dazu noch für Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen, ist immer noch ein Thema mit leichten Berührungsängsten“, so Stefan Meyer, Geschäftsführer der Nürnberger Akademie für Hospizarbeit. Daher hat die Akademie, eine Tochter des „Hospiz-Team Nürnberg e.V.“, einen speziellen Kurs für ehrenamtliche Hospizbegleiter in der Behindertenhilfe entwickelt.

Vor dem Hintergrund des überarbeiteten Hospiz- und Palliativgesetzes und der Inklusionsdebatte wird es verstärkt notwendig, diese Menschen in Heimen, zu Hause oder in ihren Gruppen in ihren letzten Lebensstunden entsprechend zu betreuen. Im Mittelpunkt der Kursentwicklung stand daher die Frage „Was benötigen Menschen mit Behinderung am Lebensende?“ Zeit, Zuwendung und Wärme sind selbstverständliche Antworten, doch erfordern die Lebenswelten und sozialen Umfelder von Menschen mit Behinderungen in sozialen Einrichtungen spezielle Vorbereitung bei der Sterbebegleitung.

„Den Hospizhelfern sollen durch den Kurs Ängste genommen werden“, sagt Esther Hahn, Beauftragte für Palliative Care der Rummelsberger Diakonie, die am Konzept und der Umsetzung des Kurses mitgewirkt hat. Daneben waren Elisabeth Schick von der Diakonie Neuendettelsau, Wilfried Klatt von der Lebenshilfe Nürnberg und Dirk Münch vom Verein Hospiz-Team Nürnberg bei der Ausarbeitung beteiligt.

Leben die Menschen mit Behinderung beispielsweise in Wohngruppen, sind auch deren Mitbewohner vom Abschied betroffen. Das Wissen um verschiedene Formen von Behinderungen, Verstehen und Training der speziellen Formen von Kommunikation und Wahrnehmung in diesem Umfeld, und auch rechtliche Grundlagen sind Teil des Curriculums in der Ausbildung, die acht Einheiten umfasst. Rechtliche Themen wie eine Patientenverfügung – diese dann in leichter verständlicher Sprache – müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Das unterschiedliche Körpergefühl der zu Begleitenden oder das Einschätzen und Akzeptieren der Selbstbestimmungskompetenzen sind, unter anderen, Themen in der Ausbildung. Von dem Nürnberger Ausbildungsplan profitieren künftig bundesweit Einrichtungen, die zum Thema Palliativmedizin und Sterbebegleitung ausbilden.

Für ihr Projekt wurde die Akademie für Hospizarbeit und Palliativmedizin Nürnberg mit dem 2. Platz des DHPStifungspreises 2015ausgezeichnet. Auf dem Bild Geschäftsführer Stefan Meyer und Erich Lange, stell. Vorsitzender des DHPV und seiner Stiftung.

(Link)

Kontakt:
Akademie für Hospizarbeit und Palliativmedizin Nürnberg
Stefan Meyer
0911 891 205 30
info@hospizakademie-nuernberg.de
www.hospizakademie-nuernberg.de