Hospizarbeit und Obdachlosigkeit

20.08.2013 - 12:00

Wie werden schwerstkranke und sterbende obdachlose Menschen betreut?
Wer kümmert sich um sie? Wie können sie von den Angeboten der Hospizarbeit erreicht werden?

Diese Fragen wurden am 5. August 2013 in Hamburg im Pik As, einer Übernachtungsstätte für obdachlose Männer, diskutiert. Regina Barthel von fördern&wohnen, einem kommunalen Anbieter von Wohnraum für obdach- und wohnungslose Menschen und Dr. Frauke Ishorst-Witte, Ärztin, hatten Frauen und Männer eingeladen, die jeweils auf verschiedene Weise mit schwerstkranken und sterbenden obdach- und wohnungslosen Menschen in Berührung kommen. In einem angeregten Gespräch wurde deutlich, dass die Problemlage vielschichtig ist. Viele obdachlose Menschen haben es verlernt, Vertrauen zu anderen Menschen, insbesondere zu Ärzten, aufzubauen. Häufig geht der Konatkt zum eigenen Körper verloren und Schmerzempfinden verändert sich. Das stellt die Ärzte, Krankenpfleger und Sozialarbeiter vor die Situation, dass schwerwiegende, in absehbarer Zeit zum Tode führende Erkrankungen, nicht dignostiziert bzw. nicht adäquat behandelt werden können. In Ausnahmefällen gelingt es Schwerstkranke in ein stationäres Hospiz zu vermitteln - nur dann, wenn es Kontakte zwischen den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe und Hospizdiensten gibt. Oftmals kommt der Tod in den Einrichtungen "plötzlich und überraschend" und hinterlässt ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit bei den  Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und auch der Wut und Angst bei den Mitbewohnern.

tl_files/public/Projekte/Obdachlosigkeit/Pik As 2013-08-05_bewohntes Drei-Bett-Zimmer_.jpg

"Mehr voneinander erfahren", das war der am häufigsten formulierte Satz. Was machen die ehrenamtlichen Hospizbegleiter im ambulanten Hospizdienst? Würden die auch in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe kommen? Wie gehen sie mit der speziellen Situation in unseren Einrichtungen um? Wollen wir überhaupt, dass in einem 4-Bett-Zimmer einer Notunterkunft gestorben wird? Was wollen die Betroffenen? Was wollen die Mitarbeiter? 

Petra Hofrichter von der HAG stellte eine Broschüre vor, die sich mit der Thematik "Krankheit, Tod uns Trauer in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe" beschäftigt. 

tl_files/public/Projekte/Obdachlosigkeit/Pik As 2013-08-05_GP TN 2_156.JPG
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gesprächsrunde im Pik As.

Eine Expertenrunde in Berlin im Dezember soll den Autausch vertiefen und Gelegenheit geben, gemeinsame Wünsche und Forderungen zu formulieren, um daran zu arbeiten, die Situation schwerstkranker und sterbender obdachloser Menschen zu verbessern.

 

Zurück