DHPStiftunspreis 2013 vergeben

16.12.2013 - 12:53

Die Sprache der Kindheit - Deutsche Hospiz- und PalliativStiftung zeichnet kultursensible Hospizarbeit aus

Die Begleitung und Betreuung von schwerkranken und sterbenden Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen nimmt im Rahmen der Hospiz- und Palliativarbeit einen immer größer werdenden Stellenwert ein. Innovative Projekte wurden jetzt von der Deutschen Hospiz- und PalliativStiftung mit dem DHPStiftungspreis 2013 ausgezeichnet. 

" Wenn wir Menschen aus anderen Kulturen gut begleiten wollen, dann geht das nur, wenn wir für die jeweils geltenden Familien- und Rollenverständnisse sowie die Haltungen und Tabus im Umgang mit Krankheit, Sterben und Tod offen sind und diese berücksichtigen.", so Karen Wienholt vom Hospizdienst DaSein e.V. in München, die für das Projekt "Sterbebegleitung für Menschen mit Migrationshintergrund" den 1. Preis entgegen nahm. Hierzu wurde ein individuelles Betreuungskonzept entwickelt sowie die Vernetzung mit kulturellen und religiösen Migrantenorganisationen, mit Übersetzern und spezifisch erfahrenen Ärzten vorangetrieben." Außerdem erhalten die ehrenamtlichen Hospizbegleiter und -begleiterinnen in speziellen Schulungen Einblick in verschiedene Kulturen und Religionen, in Migrationsprozesse und die Traumata, die mit einer solchen Entwurzlung einhergehen können", so Wienholt weiter. "Und sie lernen es, ihre eigene kulturelle Prägung zu hinterfragen und neugierig und offen auf das Fremde zuzugehen."

Den 2. Preis nahmen Tamara Maier und Kerstin Kurzke vom Malteser Hilfsdienst Berlin für ihr Projekt "Wenn die russische Seele trauert" entgegen. Bereits seit 2004 bildet der Malteser Hospiz- und Palliativberatungsdienst russisch sprechende Hospizbegleiter für die Sterbebegleitung aus und begleitet russischsprachige schwerstkranke und sterbende Menschen und ihre Angehörigen in der Heimatsprache. "Die gleiche Herkunft, Sprache und Kultur wird auch für Menschen, die gut deutsch sprechen, wieder ganz wichtig, wenn sie schwerkrank sind oder um einen Angehörigen oder Freund trauern. In diesen schweren Zeiten des Lebens ist es wichtig, sich in der Sprache der Kindheit mitteilen und austauschen zu können", so Tamara Maier, die beim Malteser Hilfsdienst in Berlin die Ausbildung und den Einsatz russisch sprechender Hospizbegleiter koordiniert.

Der 3. Preis ging an den Ambulanten Lazarus Hospizdienst, ebenfalls in Berlin, für sein Angebot "Am Lebensende fern der Heimat - Transkulturelle Sterbebegleitung". Im Berliner Bezirk Mitte, wo fast jeder zweite Mensch einen Migrationshintergrund hat, möchten Lydia Röder und Elizabeth Schmidt-Pabst Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen die Angebote des Hospizes zugänglich machen, zunächste in polnischer, arabischer und türkischer Sprache. "Bei diesen Menschen ist die Sorge füreinander durch die Familie und die Gemeinde sehr stark ausgeprägt. Die Angebote der Hospizarbeit bekannt zu machen, braucht Zeit, Einfühlungsvermögen und vor allem den Zugang über Menschen, die in beiden Kulturen zuhause sind", so Elizabeth Schmidt-Pabst. Über den Kontakt zu solchen 'Brückenmenschen', etwa zu etablierten Beratungsstellen, zum Muslimischen Seelsorge Telefon oder zum Imam, können Menschen mit Migrationshiontergrund für die ehrenamtliche Begleitung von Schwerstkranken und Sterbenden gewonnen werden. "Nur so ist es möglich, allen Menschen  den Zugang zu den Angeboten der Sterbebegleitung zu ermöglichen und auch in diesem Bereich die gesellschaftliche Chancengleichheit zu fördern."

Dr. Erich Rösch, Vorstand der Deutschen Hospiz- und PalliativStiftung, bedankte sich bei den Koordinatorinnen der Projekte. "Für unsere zukünftige Arbeit ist es von großer Bedeutung, im Bereich der kultursensiblen Hospizarbeit tragfähige Konzepte (weiter) zu entwickeln, die die Besonderheiten der betroffenen Menschen noch stärker in den Blick nehmen. Mit der Auszeichnung wollen wir diese innovativen und wegweisenden Projekte bekannt machen und zu deren Nachahmung anregen."

 

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